Der etwas andere Fußballverein in Vorpommern - Vom Bolzplatz in die Landesklasse
Zusammengetragen von Steffen Jaeckel und Stefan Viehweger
Fußballverrückte und eine Idee - Die Gründung im Jahre 1992
Am 01. Juli 1992 wurde der Verein von verrückten Hobby-Fußballern unter der Führung von Thomas Schmidt ins Leben gerufen, um die Kreisebene der Fußballlandschaft in Greifswald und Ostvorpommern so richtig aufzumischen. "Wir haben immer auf dem alten Platz neben der Jugendherberge gekickt und uns hier wöchentlich zu spannenden Duellen mit der Nachbarschaft getroffen", erklärt der einstige Vorstandschef, der über Jahre hinweg die Greifswalder Hengste sowohl im administrativen, als auch im sportlichen Bereich unterstützt hat. "Ohne Schmiddis Engagement wäre der Verein in dieser Form nie Zustande gekommen" erinnert sich auch Maik Langkabel, der ebenfalls auf über 10 Jahre Mitgliedschaft beim wohl verrücktesten Fußballclub der Hansestadt zurückblickt. Denn neben dem Fußballspiel sollte bei den Hengsten vor allem der Spaß am Sport und das Gemeinschaftsgefühl gefördert werden, was mit dem Namen der "Hengste" auch auf dem Papier zum Ausdruck kam.
Sportplatz am Dubnaring - Heimat für vierzehn Jahre
Mit der Gründung als eingetragener Sportverein schuf man 1992 die Grundlage für wöchentliche Spiele unter dem Dach des Fußballverbandes Vorpommern-Ost. "Das war alles gar nicht so einfach, denn Trikots, Spielerpässe und vor allem Trainingszeiten mussten organisiert werden, um die Truppe konkurrenzfähig zu machen", so Schmidt. Ein besonderer Hingucker waren die ersten Hengste-Jerseys. Dank großzügiger Unterstützung diverser Sponsoren konnten grüne Deutschland-Trikots mit edlem Hengste-Flock angeschafft werden, die in der unteren Kreisklasse ihres Gleichen suchten. Trainiert und gespielt wurde auf dem Fußballplatz am Dubnaring (linkes Foto), "der noch Anfang der 1990er Jahr mehr ein Staubacker war, bei dem der Rasen nur an den Eckfähnchen überlebte", erinnert sich Robert Brusch. Er war das letzte aktive Gründungsmitglied, der dem Verein im aktiven Punktspielbetrieb bis zur Saison 2006/07 erhalten blieb. In der ersten Meisterschaftsrunde 1992/93 waren es stolze drei Siege, die die Hengste einfahren konnten. So wurde Riems gleich zweimal geschlagen. Den größten Triumph feierte man allerdings gegen den damaligen Kreisklassenprimus und späteren Aufsteiger BSG Ostseetrans Greifswald, der mit 3:1 besiegt wurde. Die Hengste-Tore schossen Maik Langkabel (2x) und Robert Brusch.
Aufstieg in die Kreisliga und Hallenkreismeisterschaft 1996
Zuerst von vielen Sportvereinen belächelt, schafften die Greifswalder Hengste als Sieger der Kreisklasse bereits 1996 den Aufstieg in die Kreisliga und sicherten sich obendrauf den Titel des Hallenkreismeisters. In den folgenden Jahren waren es insbesondere die Pokalwettbewerbe, bei denen die Hengste für Furore sorgten. 1997 erreichte der Verein das Endspiel um den Kreispokal, welches erst im Elfmeterschießen gegen die damals stark aufspielende Elf der HSG Uni Greifswald mit 6:7 (3:3 n.V.) verloren wurde. 1998 und 1999 errang man jeweils den zweiten Platz bei der Hallenkreis-meisterschaft, bevor 1999 der Aufstieg in die neu formierte Kreisoberliga folgte. Besonders viel haben die Hengste dem damaligen Präsidenten und Sponsor Klaus Cornehl zu verdanken.
Kreispokalsieg und Aufstieg in die Bezirksklasse 2002
Die Welle der Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt mit dem Kreispokalsieg gegen den SSV Spantekow (2:2 n.V., 7:6 n.E.) und dem Aufstieg in die Bezirksklasse 2002. Diese Erfolge waren insbesondere dem Engagement eines Mannes zu verdanken, der die Hengste fünf Jahre lang trainierte: Hartmut Zibell (im Bild rechts, daneben HFC-Urgestein und Förderer Klaus Cornehl). Fortan waren die Greifswalder Hengste nicht nur eine Gemeinschaft von Freizeitkickern, sondern zählten mehr und mehr zu den etablierteren Mannschaften im Kreis Ostvorpommern.
Eigener Sportplatz - Der Mythos "Hengste-Park"
Aus einer Idee am Stammtisch der alten Herbergskneipe entstand eine schlagkräftige Truppe, die nun seit April 2006 auch ihr eigenes Domizil auf dem ehemaligen Platz des ESV Empor Greifswald in der Stadtrandsiedlung hat. Der Umzug auf das neue Vereinsgelände, weg vom mittlerweile mit Kunstrasen und Flutlicht hervorragend ausgebauten Sportplatz am Dubnaring, war notwendig geworden, "da uns die stark erhöhten Platzgebühren bei zwei wöchentlichen Trainingseinheiten finanzielle Sorgen bereiteten", so der ehemalige Geschäftsführer Roland Roeßler. Doch Dank der Unterstützung des Sportamts und vieler privater Sponsoren wurde eine Finanzierung des Projekts "Eigener Hengste-Platz" ermöglicht und eröffnet dem Verein auch zukünftig die Chance, den "Spaß am Fußball" vielen Sportlern und Familien zu vermitteln und für viele Highlights in der Greifswalder Stadtrandsiedlung zu sorgen.
Aufbruch in ein neues Zeitalter - Umbenennung in HFC Greifswald 92 e.V.
Im Dezember 2006 beschlossen die Mitglieder des Vereins, sich unter dem neuen Namen „HFC Greifswald 92“ auch der kritischen Sportwelt als seriöser Fußballverein zu präsentieren. So blieb der Begriff „Hengste“ auch weiterhin ein fester Bestandteil im Vereinsnamen. Denn die Abkürzung „HFC“ steht für „Hengste Fußball-Club“. Das Vorhaben, den sowohl markanten als auch provozierenden Namen „Greifswalder Hengste“ aufzugeben, hat für viel Wehmut in Fußballerkreisen gesorgt. Denn die Hengste haben sich seit ihrer Gründung 1992 zu einer schlagkräftigen, bekannten Fußballmannschaft gemausert. Mithin wurde ein seriöser Name gefunden, ohne dabei die Identität des Vereins aufzugeben.
Weichenstellung für eine ambitionierte Zukunft - Uli Seidel übernimmt Traineramt
Bereits zur Rückrunde der Saison 2006/07 konnte der Verein den ehemaligen Trainer des VSG Weitenhagen, Uli Seidel, für sich gewinnen. Dieser führte die Randgreifswalder einst von der Bezirksklasse bis in die Verbandsliga. Mit diesem Coup konnte in Ostvorpommern niemand rechnen, hatte der heiß umworbene Coach doch lukrative Angebote von Landesliga- und Verbandsliga-Vereinen (u.a. Pommern Stralsund und GSV 04 II) ausgeschlagen. Mit dieser Verpflichtung untermauerten die Verantwortlichen erneut ihren Anspruch, den HFC Greifswald 92 e.V. als ernstzunehmenden Verein zu etablieren und die 1. Männermannschaft mittelfristig zurück in den kreisübergreifenden Spielbetrieb zu führen.
Neugründung Reserveteam - Die "Fohlen-Elf" ensteht
Zur Saison 2007/08 gründete man zum zweiten Mal ein Reserveteam, dessen sportliche sowie organisatorische Leitung Routinier Wolfgang Kurth mit viel Herzblut übernahm und den zum Teil noch sehr jungen Spielern somit eine neue Heimat in der Greifswalder Fußballlandschaft bot.
Das Spieljahr 2007/2008 beendete die Kreisoberligavertretung auf dem dritten Rang. Nach drei mageren Jahren im Mittelfeld der Kreisoberliga kehrte man somit in das Spitzenfeld der Liga zurück. Doch eine Niederlage im Saisonfinale in Wolgast machte die letzten, eher theoretischen, Aufstiegshoffnungen zu nichte und der Traum von der Rückkehr in die Bezirksklasse platzte. Dennoch stimmte die sportliche Entwicklung unter der Leitung von Trainer Uli Seidel zuversichtlich.
Kreisoberliga-Meisterschaft - Das "Wunder vom Hengste-Park" und der Aufstieg in die Landesklasse 2009
Mit Beginn der Spielzeit 2008/2009 galt es eine Reihe von Abgängen zu kompensieren. Spätestens in dieser Spielzeit wandelte sich das Gesicht der ersten Mannschaft grundlegend, denn der HFC wurde mehr und mehr Anlaufpunkt für talentierte Fußballer, die als Studenten in die Hansestadt gekommen waren und beim HFC eine neue sportliche Heimat fanden. Nicht weniger als elf Studenten standen im Kader des Kreisoberligateams und belebten nicht nur mit ihrem sportlichen Können den Fußball in der Stadtrandsiedlung.
Nach einer durchwachsenen Hinrunde fand sich die neu formierte HFC-Elf auf Platz Sieben wieder und hatte Acht Punkte Rückstand auf die Spitze. Eine historische Rückrunden-Serie von elf Siegen in Folge ging schließlich als "Wunder vom Hengste-Park" in die Greifswalder Fußballgeschichte ein und besiegelte den ersten Gewinn der Kreismeisterschaft in der 17jährigen Vereinsgeschichte. Die Elf um Kapitän Stefan Viehweger und Trainer Uli Seidel krönte mit dem Aufstieg in die neu formierte Landesklasse ein nicht für möglich gehaltenes Comeback und sorgte dafür, dass der einst belächelte Verein fortan auf Landesebene um Tore und Punkte kämpfen sollte.

Die Meistermannschaft von 2009 feiert den größten Triumph der 17-jährigen Vereinsgeschichte.
Zum ersten Mal seit der Gründung des Vereins im Jahre 1992 ist der HFC ab der Saison 2009/2010 auf Landesebene vertreten.
Zwei Videos zum Aufstieg: <Pokalübergabe> | <Freudentaumel>
Premierensaison in der Landesklasse 2009/2010
In ihrer ersten Saison auf Landesebene erreicht die junge HFC-Elf einen bemerkenswerten 7. Platz in der Endabrechnung und überzeugt insbesondere in der Rückrunde mit erfolgreichem Offensivfußball. Nach einem furiosen Auftakt mit 2 Siegen aus 3 Spielen durchlebt die Seidel-Elf aufgrund von Personalproblemen und fehlender Erfahrung zunächst eine Durststrecke und zahlt in 8 Partien in Folge ohne Sieg viel Lehrgeld. In der zweiten Saisonhälfte findet sich die Mannschaft um Kapitän Viehweger und holt 26 von 36 möglichen Punkten. Lediglich gegen die Oberligareserve aus Torgelow und den späteren Staffelsieger Blau-Weiß Greifswald geht man als Verlierer vom Platz. Im letzten Spiel der Serie gelingt mit einem 8:2-Kantersieg gegen den MSV Groß-Miltzow der höchste Sieg auf Landesebene in der Vereinsgeschichte.

Landesklassensaison 2010/2011 - Zitterpartie um den Klassenerhalt
Die zweite Saison auf Landesebene wurde für das Team um den neuen Kapitän Rutkowski zu einer Zitterpartie, die bis weit in den Sommer andauern sollte. Die Seidel-Schützlinge mussten nach einer regionalen Neueinteilung der Mannschaften in der Landesklasse-Staffel 3 antreten und sich nunmehr gegen bis dato unbekannte Teams aus dem Raum Rügen/Nordvorpommern/Rostock behaupten. Die sportliche Entwicklung stagnierte nach einem furiosen Start mit Platz 2 nach vier Spieltagen weitestgehend und die HFC-Elf fand sich zum Abschluss der Hinrunde auf Platz 10 des Klassements wieder. Auch der Start in die Rückrunde missglückte völlig und die Hansestädter rangierten am 18. Spieltag nach einer Niederlage in Sassnitz erstmals auf einem Abstiegsplatz. Bei einer Krisensitzung entschloss sich der Vorstand am 25.03.2011 schweren Herzens dazu, die Zusammenarbeit mit dem langjährigen Erfolgstrainer Uli Seidel zu beenden. Für neue Impulse im Abstiegskampf sollte nunmehr das Spielertrainer-Gespann Christian Humboldt/Mario Pitzschel sorgen. Doch auch dieser Schritt verfehlte seine Wirkung und die nötigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt blieben aus. Nach lediglich 8 Punkten aus der Rückrunde rangierte der HFC in der Abschlusstabelle auf Rang 13 und kämpfte nach Saisonschluss vergeblich um einen vom Sportgericht aberkannten Punkt aus der Partie gegen Dummerstorf, der zum Klassenerhalt aus eigener Kraft genügt hätte. Die erlösende Nachricht traf in der Stadtrandsiedlung schließlich am 24.06.2011 ein. Durch den Rückzug des Velgaster SV aus der Landesklassenstaffel 3 verbleibt der HFC in der Landesklasse. Zeitgleich gab der Verein bekannt, dass Chrtistian Humboldt die sportliche Leitung auch in der kommenden Spielzeit 2011/2012 übernehmen würde. Kuriosität am Rande: Zumindest den Rekord für den höchsten Sieg in der Geschichte der Landesklasse kann die HFC-Elf in dieser misslungenen Saison für sich verbuchen, als man am 12. Spieltag den späteren Absteiger aus Gingst mit 18:1 deklassierte.

Landesklassen-Elf im Abstiegskampf 2011 vor der Heimpartie gegen den VfL Bergen II mit Unterstützung der E-Jugend des HFC
Neugründung Traditions-, Damen und Jugendmannschaft
Erstmalig seit der Saison 2010/11 finden sich die ausgedienten Kläpper (ab 32 Jahre) jeden Freitag zum wöchentlichen Trainingsspiel im Hengste-Park ein. Die Spiele finden Sonntag Vormittag statt. Die Mannschaft besteht zu großen Teilen aus ehemaligen Jung-Hengsten und somit aus Spielern, die dem Verein seit Jahren verbunden sind.
Gleichzeitig gründete sich die HFC-Damenmannschaft sowie unsere Fohlenmannschaft. Während unsere Fohlen bereits das D-Jugend-Alter erreichten, spielen unsere Frauen mittlweile gemeinsam mit dem GSV 04 in einer Spielgemeinschaft. Somit ist der HFC seit Mitte des Jahres 2012 sowohl in der Frauenverbandsliga, als auch in der Kreisoberliga aktiv.

Greifswalder Hengste auf fussball.de
Im März 2012 schaffte es der HFC auf die Startseite einer der größten Fußball-Webseiten Deutschlands. Fussball.de stellte unseren kleinen Verein unter der Rubrik "Kuriose Vereinsnamen" vor. Damit reihen wir uns u.a. neben "Maulwürfe Neuruppin", "Strickmiezen Kerntau" und "Trafowerk Nürnberg" ein. Auf der Startseite waren wir neben anderen Vereinen wie Bayern Münschen oder Hamburger SV der Aufmacher.
Chronik
| 1992 | - | Vereinsgründung unter dem Namen Greifswalder Hengste e.V. |
| 1995 | - | 1. Platz Hallenkreismeisterschaft |
| 1996 | - | 1. Platz Kreisklasse Ostvorpommern, Aufstieg in die Kreisliga |
| 1997 | - | 2. Platz Kreispokal (Niederlage gegen die HSG Uni-Greifswald nach Elfmeterschießen) |
| 1999 | - | 5. Platz Kreisliga, Aufstieg in die Kreisoberliga |
| - | 2. Platz Hallenkreismeisterschaft | |
| 2000 | - | 2. Platz Hallenkreismeisterschaft |
| 2002 | - | 2. Platz Kreisoberliga, Aufstieg in die Bezirksklasse |
| 1. Platz Kreispokal (Endspielsieg gegen SSV Spantekow 2:2 n.V., 7:6 n.E.) | ||
| 2004 | - | Abstieg aus der Bezirksklasse |
| 2005 | - | 2. Platz Kreisoberliga |
| 2006 | - | 2. Platz Kreisoberliga |
| - | 2. Platz Hallenkreismeisterschaft | |
| - | Rücktritt des langjährigen Hengste-Coaches Hartmut Zibell | |
| - | Übernahme des Sportplatzes in der Greifswalder Stadtrandsiedlung | |
| 2007 | - | Umbenennung des Vereins in HFC Greifswald 92 e.V. |
| - | Anmeldung einer II. Männermannschaft zum Spielbetrieb, Betreuung durch W. Kurth | |
| - | Neuverpfichtung von Trainer Uli Seidel (zuvor Verbandsliga-Trainer in Weitenhagen) | |
| 2008 | - | 3. Platz Kreisoberliga |
| 2009 | - | 1. Platz Kreisoberliga, Aufstieg in die Landesklasse |
| - | 1. Platz Peene-Pokal des Bürgermeisters der Stadt Loitz | |
| - | 1. Platz Stadtbäckerei Junge-Cup | |
| 2010 | - | 1. Platz Peene-Pokal des Bürgermeisters der Stadt Loitz |
| - | 7. Platz Landesklasse Staffel II | |
| 2011 | - | 13. Platz Landesklasse Staffel III |
| - | Entlassung Erfolgscoach Uli Seidel am 25.03.2011 | |
| - | Christian Humboldt neuer Landesklassentrainer | |
| 2012 | - | Halbfinale Landesklassenpokal |
| - | 5. Platz Landesklasse | |
| - | André Höhne neuer Trainer der Landesklassenmannschaft | |
| - | der HFC geht mit dem GSV 04 eine Spielgemeinschaft bei den Frauenmannschaften ein und spielt fortan in der Verbandsliga und Kreisoberliga |
Es war einmal ...

Hallenkreismeister 1995. Die Sensation in Ostvorpommern -
der krasse Außenseiter erringt den ersten Titel in der Vereinsgeschichte.

Gründungs-Hengst Thomas Schmidt (rechts) bei der Aufstiegsfeier 2002.
Aufstieg und Gewinn des Kreispokals stellen im Jahr 2002 die bis dahin größten
sportlichen Erfolge der damaligen Greifswalder Hengste dar.










